Das BMK (Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie) – Mag. Alexander Pogany, die ASMET (The Austrian Society for Metallurgy and Materials) – Dr. Bruno Hribernik und Dr. Gerhard Hackl, das AIT (AIT Austrian Institute of Technology GmbH) – Dr. Marianne Hörlesberger und JR (Joanneum Research) – DI. Helmut Wiedenhofer veranstalteten am 25.8.2021 den schon traditionellen Workshop zur Werkstoffforschung anlässlich des Forums Alpbach vor den Technologiegesprächen. Auf Grund der Corona-Krise wurde die Veranstaltung erstmals hybrid veranstaltet, wobei zwei Drittel der Teilnehmer physisch im Alpbacherhof teilnahmen.  Im Workshop wurde ein Ãœberblick über Industrie 5.0 erarbeitet, und im Projekt wurde das Potenzial von Industrie 5.0 für Forschung und Industrie im Zusammenhang mit den produzierenden Betrieben in Österreich erhoben.

Die Corona-Pandemie hält uns seit März 2020 fest im Griff. Sie hat neben den gesundheitlichen Bedrohungen mehrfache Krisen ausgelöst und Kollateralschäden verursacht, vor allem im Bildungsbereich und in der Wirtschaft. Die Folgen sind große Schäden, von denen nicht nur weite Teile der Gesellschaft, sondern auch das internationale Gefüge, die globale politische und wirtschaftliche Ordnung nachhaltig betroffen sind. Die Corona-Krise hat aber auch gezeigt, wie entscheidend Wissenschaft, Forschung, Technologie und Innovation für unser Leben sind. Mit dem Vordringen der digitalen Revolution und der derzeit stattfindenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation stellen sich aber auch viele neue Herausforderungen und Fragen, die dringend einer Antwort bedürfen.

Die Basis für die Diskussionen und Gruppenarbeiten bildeten die Ergebnisse einer Online Umfrage zum Thema Industrie 5.0 und der Input durch die nachstehend aufgelisteten Impulsvorträge.

Industrie 5.0 in Österreich
Roland Sommer, Plattform Industrie 4.0
KI und Digitalisierung im DMVS (Digital Material Valley Styria)1
Martin Tschandl, FH Joanneum
Profis arbeiten sicher – Safety im Industrie-5.0-Umfeld
Franz Gleiss, voestalpine
Mit Verstand, Kraft und Mut: Die Initiative „3V für Österreichs Zukunft“
Markus Wieser, AK NÖ
Pause  
Kognitive Industriesysteme
Alois Ferscha, JKU Linz
Verbesserte Interaktion durch Symbiose von KI und Augmented Reality
Gernot Stübl, profactor
Digitalisierte Produktion – von der Werkstoffmodellierung bis zur Kreislaufwirtschaft
Industrie 5.0 in Deutschland1
Matthias Brockmann, RWTH Aachen

Die Teilnehmer:innen im Workshop diskutierten über Industrie 5.0 in der Forschung und in der Werkstoffindustrie und Werkstoffproduktion, über die gesamte Wertschöpfungskette im Werkstoffsektor und über die Möglichkeiten und Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit Industrie 5.0 sowie über ethische und rechtliche Aspekte. Die Auswirkung von Industrie 5.0 und die Chancen auf den Werkstoffsektor wurden diskutiert und abgeschätzt. Folgende Fragen wurden dabei beachtet:

  • Wie kann der Werkstoffsektor die Entwicklungen zu Industrie 5.0 verstehen und wie könnte sich Industrie 5.0 auf den Werkstoffsektor auswirken?
  • Welche Rolle spielt Industrie 5.0 entlang von Wertschöpfungsketten im Werkstoffsektor und wie kann hier der Link zu einem grünen Werkstoffsektor gelingen?
  • Wie müssen sich Unternehmen auf Industrie 5.0 vorbereiten? Wo wird Industrie 5.0 im Unternehmen stattfinden? Welche Kompetenzen und welche Infrastruktur brauchen Unternehmen, braucht der Werkstoffsektor dazu? Wie ist Industrie 5.0 mit Aspekten außerhalb von Unternehmen verknüpft?

Der Dialog fand zwischen Werkstoffindustrie, Forschung im Werkstoffsektor, Smart Factories in Wien, Kapfenberg und Linz, Ausbildungseinrichtungen sowie Arbeitnehmervertreter:innen (Auswirkung auf die Arbeitswelt) statt.

Industrie 5.0 ergänzt Industrie 4.0 und geht weit darüber hinaus, denn der Mensch und die Umwelt müssen entscheidend miteinbezogen werden. Industrie 5.0 betont Aspekte, die neben wirtschaftlichen oder technologischen Faktoren ganz besonders das Wohlergehen der Gesellschaft im Fokus haben soll. Umwelt, Soziales und Grundrechte werden neben den wirtschaftlichen und technologischen Faktoren eine zentrale Rolle spielen. Somit kann Industrie 5.0 nicht als chronologische Fortsetzung oder als Alternative zum bestehenden Industrie 4.0-Paradigma verstanden werden.

Besser geklärt werden muss insbesondere das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine: Der Mensch mit seinen Werten und Bedürfnissen muss im Mittelpunkt jeglicher Technologieentwicklung stehen.

Die Teilnehner:innen erwarten von Industrie 5.0, dass die Industrie und die aufkommenden gesellschaftlichen Trends und sozialen Bedürfnisse nebeneinander bestehen können und sich darüber hinaus ergänzen und so gemeinsam zu Erfolg kommen.

Erkenntnisfortschritte und Technologie helfen uns mit den Transformationsprozessen in Wirtschaft und Gesellschaft und damit, mit den großen Herausforderungen unserer Zeit fertig zu werden, etwa mit den Themen Klima, Mobilität, Digitalisierung, Umweltschutz, Energie und alternde Gesellschaft. Technologie wird auch in Zukunft wesentlich über die Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftssystemen mitbestimmen.