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„Mensch und Technik“ am Zukunftsstandort Steiermark

Gesprächspartner:

DI Franz Rotter,
Präsident ASMET,
Mitglied des Vorstands der voestalpine AG und Leiter der Special Steel Division

Komm.R. Mag. Jochen Pildner-Steinburg,
Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark

Leoben, 19.05.2015

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ASMET Forum 2015: Mensch und Technik  im Mittelpunkt

Über 300 Geschäftsführer, Führungskräfte aus Produktion, Forschung- und Entwicklung, Vertrieb, Personal- und Betriebswirtschaftsabteilungen der Mitgliedsfirmen sowie Studierende treffen sich von 19. bis 20. Mai 2015 beim ASMET Forum 2015 in der Montanuniversität Leoben. ASMET – The Austrian Society for Metallurgy and Materials – befasst sich mit Metallurgie und Werkstofftechnik. Die Organisation versteht sich in diesen Bereichen als Plattform für den Informations- und Wissens- austausch.

Das diesjährige Treffen steht unter dem Motto „Mensch und Technik“. Die Hauptzielgruppe sind heuer vor allem studentische  ASMET-Mitglieder der Montanuniversität Leoben, TU Graz, FH Wels, der Berg- und Hüttenschule, sowie jüngere Mitarbeiter aus den ASMET Mitgliedsfirmen. Etwa 250 Studenten sind Mitglieder der ASMET.

Die Plenarvorträge der ASMET Mitgliedsfirmen  beleuchten dabei den Faktor Mensch in Produktion und Industrie und zeichnen so ein Bild der heutigen und zukünftigen Arbeitswelt in der Stahl-, Werkstoff- und produzierenden Industrie. International agierende Technologiekonzerne sind Mitglieder der ASMET, unter anderem die voestalpine AG, Magna International Europe sowie die RHI AG.

Der Nachmittag des ersten Konferenztages steht ganz im Zeichen der jungen Forschung. Absolventen der Montanuniversität Leoben, der TU Graz und der FH Wels präsentieren die besten Diplomarbeiten und Dissertationen aus den Bereichen Metallurgie und Werkstofftechnik.

Die besten wissenschaftlichen Leistungen von jungen Forschern am Sektor Metallurgie, Werkstofftechnik, Verarbeitungstechnologien,  sowie Schweißtechnik werden durch Preise honoriert. Es gibt wohl kaum eine Veranstaltung zu der die Verleihung dieser Forschungspreise besser passen würde als zum ASMET Forum 2015, das unter dem Motto „Mensch und Technik“ steht.

Beim Forum werden der ASMET INTECO Preis, der ASMET Poster Preis, der voestalpine Stahlforschungspreis und der Franz Leitner Preis an exzellente junge Forscher verliehen. Diese Preise wurden von oder in Zusammenarbeit mit der ASMET ausgeschrieben und die Einreichungen von international anerkannten Juroren bewertet, um die Sieger zu ermitteln.

Die ASMET – Austrian Society for Metallurgy and Materials

Der Verein umfasst 1.150 persönliche Mitglieder und über 100 Firmenmitglieder mit rund 150.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Insgesamt erwirtschaften die ASMET-Mitgliedsbetriebe einen jährlichen Gesamtumsatz von rund 43 Mrd. Euro, mit einer Exportquote von rund 90 Prozent. Mehr als 1.000 Forscherinnen und Forscher arbeiten in ASMET-Mitgliedbetrieben an innovativen Zukunftstechnologien der Werkstoffindustrie.

Standort Steiermark weiter stärken

Das in der Strategie 2020 der voestalpine Gruppe vor allem außerhalb Europas geplante Wachstum, wird nur durch die weitere Stärkung der österreichischen Kerngesellschaften möglich sein. Eine tragende Säule des geplanten Wachstums ist das vorhandene Know-how an den bestehenden Standorten. In der Steiermark sind das die Standorte der hier angesiedelten Metal Engineering Division sowie der Special Steel Division in ZeltwegDonawitzBruckKapfenberg und Mürzzuschlag. Die strategische Planung 2020 der voestalpine sieht daher auch an den österreichischen Standorten umfangreiche Investitionen vor.

Eine nachhaltige Entwicklung der „steirischen“ Divisionen bedingt aber vor allem auch eine dauerhafte Verfügbarkeit von gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Für uns als
ASMET und auch für die voestalpine als zentraler Leitbetrieb gilt es die gesamte Steiermark nachhaltig weiterzuentwickeln. Je attraktiver die Region, desto besser sind die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg der dort ansässigen Unternehmen. Damit bleiben die Standorte in der Folge auch für junge Menschen und potenzielle Mitarbeiter interessant“, beschreibt ASMET-Präsident und Leiter der Special Steel Division der voestalpine DI Franz Rotter sein zentrales Anliegen.

Die demografische und strukturelle Entwicklung in der Steiermark erfordert besondere Anstregungen in diesem Bereich – das betrifft sowohl die Aus- und Weiterbildung der kommenden Generationen, als auch die laufende weitere Attraktivierung als Lebens-Region.

Mensch und Technik in der voestalpine

In der Industrie der Zukunft steht trotz dem vermehrten Einsatz von hochsensibler Technik der Faktor Mensch in den Produktionshallen im Zentrum. Entscheidend ist, dass sich die Rolle des Mitarbeiters dahingehend ändert, Prozesse zu steuern und zu regeln. Dafür braucht es qualifizierte Mitarbeiter, die diese immer anspruchsvoller werdenden Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen.

Die voestalpine ist sich ihrer Verantwortung in diesem Zusammenhang bewusst und setzt entsprechende Maßnahmen, die diese Entwicklungen begleiten.

Am Beispiel der Special Steel Division wurde im Jahr 2013 Lean Management als strategischer Schwerpunkt eingeführt. Zentrale Vision dieser Maßnahme ist die Ermächtigung der Mitarbeiter, selbst die Effizienz und Zuverlässigkeit interner Prozesse – in Übereinstimmung mit der Strategie – kontinuierlich zu verbessern. Die Vermeidung von Verschwendung in der Wertschöpfungskette sichert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und dadurch schließlich die Standorte. Gleichzeitig steigt die Zufriedenheit der Mitarbeiter, da sie selbst Teil des Veränderungsprozesses sind und diesen aktiv mitgestalten. Die Folge sind höhere Produktivität und anspruchsvolle Arbeitsplätze – für die jetzige, aber auch im speziellen für künftige Generationen. Zwei wesentliche Bausteine kennzeichnen Lean Management in der Special Steel Division: Prozessorientiertheit und die Wertschätzung der Mitarbeiter.

Neben der Betrachtung der operativen Abläufe in der Wertschöpfungskette legt die Special Steel Division auch großen Wert auf die Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für ihre Mitarbeiter – und das in allen Ausbildungs- und Karrierestufen.

voestalpine setzt auf Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen

In allen steirischen voestalpine-Unternehmen werden derzeit 383 Lehrlinge in insgesamt 16 Lehrberufen ausgebildet. In der Böhler Lehrwerkstätte in Kapfenberg steht für 200 Lehrlinge, etwa ein Viertel davon Mädchen, ein modernst ausgestattetes Ausbildungszentrum zur Verfügung.

Neben dem Schwerpunkt der Lehrlingsausbildung spricht die Special Steel Division der voestalpine auch gezielt Studentinnen und Studenten an. Beim sogenannten Young Graduate Programm für Werkstudenten und junge Projektmitarbeiter soll der Ingenieurnachwuchs für die voestalpine-Gesellschaften gesichert werden.

Im heutigen Spannungsfeld hoher Dynamik und vielfältiger Herausforderungen ist es speziell für Geschäftsführer entscheidend, täglich die richtige Balance zwischen Management und Leadership zu finden. Die Special Steel Division unterstützt ihre Geschäftsführer diesen Veränderungen professionell zu begegnen und bietet ein umfangreiches  Leadership-Programm an.

All diese und zahlreiche weitere Maßnahmen dienen dazu, die Fach- und Führungskräfte der voestalpine zu ermutigen ihre Gegenwart und damit ihre Zukunft zu gestalten und Veränderungen als Chance zu be- und ergreifen. Das vorhandene Wissen soll so im Unternehmen bleiben und die Standorte in der Region absichern – entsprechende Rahmenbedingungen vorausgesetzt.

Industriestandort Steiermark Ohne Menschen geht es nicht!

IV-Präsident Komm.R. Mag. Jochen Pildner-Steinburg weist darauf hin, dass der Steiermark enorme Herausforderungen im Bereich der Beschäftigung bevorstehen. Vier Problemfelder stechen hier besonders hervor:

a) Der Druck, den neue Technologien im Rahmen Industrie 4.0 auf schlecht Qualifizierte auslösen
b) Die sich zuspitzende demographische Entwicklung insbesondere auch in der Obersteiermark
c) Der zunehmende Mangel an technischem Personal in Produktion, Planung und Entwicklung.
d) Die im europäischen Vergleich überaus hohe Belastung des Faktors Arbeit durch Abgaben und Nebenkosten

„Für eine positive Entwicklung der Steiermark und insbesondere der Obersteiermark sind deshalb dringende Maßnahmen bei Qualifikation, Umfeldgestaltung und Kosten zu setzen. Die Industrie braucht die Menschen und die Menschen brauchen die Industrie für Arbeit und Lebensqualität!“, mahnt Pildner-Steinburg und ergänzt, dass gemäß des Mottos der ASMET-Tagung Mensch, Technik und Industrie nur gemeinsam die Zukunft gewinnen können.

Aus Sicht von ASMET und IV Steiermark lassen sich dazu vier Handlungsfelder ableiten:

Mensch & Qualifikation

Qualifizierte Mitarbeiter sind das Um und Auf eines modernen Industriestandorts. Dabei geht es nicht nur um die „besten Köpfe” sondern genauso um die „besten Hände”. Der größte Bedarf herrscht bei technischer Ausbildung. Besondere Sorgen im Zusammenhang mit der kommenden Datenrevolution bereitet der Mangel im Bereich der IT-Qualifikation. Hier muss man insbesondere auch Frauen ansprechen, die anstatt einen technischen Weg zu beschreiten, nach wie vor viel zu oft in unsichere und schlecht bezahlte sogenannte „Frauenberufe“ gehen. Hier hat die Industrie ganz neue Angebote. Freilich wird es notwendig sein, auch die entsprechenden Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung zu stellen.

Mensch & Lebensphasen

Die künftige Arbeitswelt muss individuellen Bedürfnissen besser angepasst werden, die je nach Lebensalter ganz unterschiedlich sein können. Berufseinstieg, Familiengründung und Beschäftigung im Alter bringen ganz unterschiedliche Anforderungen.  Das Gebot der Stunde ist eine deutlich höhere Flexibilität bei Arbeitszeit und Entgelt, die auf Betriebsebene von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam ausgestaltet werden muss. Besonderes Augenmerk verdient dabei die Generation 55+, deren Integration zunehmend wichtiger wird. Einerseits für eine sinnvolle und altersgerechte Beschäftigung der Menschen im Alter und andererseits zum Erhalt der Erfahrung für die Unternehmen selbst.

Mensch & Produktion

Der Irrglaube, dass man den Wirtschaftsstandort alleine auf Dienstleistungen aufbauen kann, hat sich nach der Wirtschaftskrise mittlerweile erledigt. Die Menschen in der neuen Welt der Produktion müssen aber unterstützt werden – das ist auch eine zentrale Aufgabe der Politik! Zukunftsthemen wie „Advanced Industries“, also „Smart Production“ oder „Industrie 4.0“ müssen vorangetrieben und in den Köpfen und Betrieben der Region verankert werden.  Viele Chancen ergeben sich dabei für Menschen mit höherer Ausbildung. Einfachere Arbeitsplätze werden hingegen wegfallen. Trotzdem führt aber kein Weg an diesen Zukunftstechnologien vorbei!

Mensch & Region

Die steirischen Regionen sehen sich mit einer teils dramatischen Zukunftsprognose konfrontiert: Abwanderung, Schrumpfung der Bevölkerung und Verödung drohen insbesondere der Obersteiermark. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, muss es gelingen, ein attraktives und modernes Lebensumfeld zu schaffen. Das geht nur, wenn man sich auf den Ausbau von einem qualitativ hochwertigen urbanen Zentrum konzentriert, das ein Gegengewicht zum Großraum Graz setzen kann. Das Gebot der Stunde ist der Zusammenschluss von Kapfenberg, Bruck und Leoben mit einer begleitenden Infrastrukturinitiative. Das sollte zu einem strahlenden Leuchturmprojekt für die nächsten Jahre werden, um wieder den notwendigen Optimismus in die Region zu bringen. Dies muss in gemeinsamer Anstrengung von öffentlicher Hand, Wirtschaft und allen Menschen geschehen.

Rückfragehinweis:

  • Dr. Thomas Krautzer
    Industriellenvereinigung Steiermark | Hartenaugasse 17 | 8010 Graz
    +43 (0) 664 3072 663
    t.krautzer@iv-net.at

 

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